15. Jahrsetag der Neugründung


Dr. Werner Pidde bei der Begrüßungsrede

Podiumsdiskussion über Widerstand und "Ostalgie"



WALTERSHAUSEN (adr). 



Anlässlich des 15. Jahrestages der Neugründung des SPD-Ortsvereins Waltershausen fanden sich am Montag,dem 17.01.2005, Persönlichkeiten zu einer Podiumsdiskussion zusammen, denen eine wichtige Rolle zur Zeit der Wende zukam. 

 


Ein Gast der schreibenden Zunft



Unter dem Motto "Die DDR - wie sie wirklich war!" diskutierten in der Gaststätte Balthasar, der ehemalige Landesbeauftragte für die Unterlagen des damaligen Staatssicherheitsdienstes, Jürgen Haschke, Gerhard Neumann,ehemaliges Mitglied des Bundestages sowie Eckardt Hoffmann, Gothaer Superintendent in Ruhe, über das Nachwirken der einstigen DDR im heutigen Alltag wie auch in der Politik. 

 


Unsere Podiumsgäste



Durch den Abend führte Vera Dähnert, Redaktionleiterin der TA Gotha.Jürgen Haschke mahnte in seinem einleitenden Vortrag, dass man das Wesen der DDR mit Distanz zum eigenen Schicksal beurteilen solle. Der ehemalige DSU-Abgeordnete der ersten frei gewählten Volkskammer und des Bundestages erinnerte an rund 2,7 Millionen Menschen, die zwischen 1949 und 1989 in die BRD geflüchtet sind, von denen aber nur 15 Prozent aus politischen Motiven die DDR verlassen hätten. 

 


Dr. Werner Pidde bei einen Rückblick auf 15 Jahre SPD- Waltershausen



Eckardt Hoffmann sprach von einer teilweise "Eiseskälte" in den menschlichen Beziehungen in der DDR. Der Ehrenbürger der Stadt Gotha veranschaulichte diese Metapher mit Schicksalen von Menschen aus seinem Umfeld, die sich nicht anpassen wollten. Auch der heutige Umgang mit der DDR war Thema des Abends. 

Gerhard Neumann räumte ein, dass zur Zeit eine gewisse DDR-Nostalgie vorherrsche. Er wertete dies als Trotzhaltung enttäuschter Wende-Verlierer. Eckardt Hoffmann forderte Verständnis: "Es muss Ernst genommen werden, dass viele Menschen vor einem Scherbenhaufen stehen." Dies trifft vor allem auf die 50 bis 65-jährigen Arbeitslosen zu, von denen sich laut einer Studie der Volkssolidarität 14 Prozent die DDR zurückwünschen.
 


Blick auf die Gäste



Im Hinblick auf die junge Generation herrschte Einigkeit unter den Rednern: Es ist unzureichend, was Schüler im Unterricht über die DDR erfahren. Die Moderatorin hob hervor, dass im Sozialkundebuch der Oberstufe die DDR auf lediglich zwölf Seiten thematisiert wird. Intensiv wurde auch über den Umgang mit den Stasi-Akten diskutiert. Hoffmann misst diesen eine wichtige Bedeutung zu, da es viele Leute gebe, die wissen wollen, wer ihr Leben zerstört hat. Daher sollten auch keine Kosten gescheut werden, die zur Rekonstruierung der zerstörten Akten von Nöten sind. Immerhin rechnet die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, dass die Zusammensetzung der einzelnen Schnipsel durch ein Computer-Programm ca. 50 Millionen Euro kosten würde.

 


Jürgen Haschke



Haschke erwiderte, wenn dieses Geld zur Verfügung stünde, solle man damit die Opfer des SED-Regimes unterstützen. Matthias Huth unterhielt die rund 40-köpfige Zuhörerschaft musikalisch. Außerdem trug er Kabarett-Texte aus der DDR vor. Danach sollte das Publikum darüber abstimmen, ob sie damals verboten wurden oder nicht. Das Ergebnis überraschte oftmals.



Thüringer Allgemeine vom 19.01.2005

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